Social Recruiting – Definition, Beispiele & Vorteile

Social Media ist mittlerweile ein fester Bestandteil im Leben der Menschen. Wie viele Personen kennen Sie denn noch, die keinen Facebook, Instagram, YouTube oder TikTok Account besitzen?

Wahrscheinlich kaum welche.

Im Laufe der Zeit hat man festgestellt, dass sich Social Media auch im HR-Wesen einsetzen lässt, um neue Mitarbeiter zu gewinnen.

Social Recruiting war geboren.

Social Recruiting bezeichnet die Personalrekrutierung auf der Basis von sozialen Netzwerken. Es geht beim Social Recruiting darum, die Reichweite und die Kommunikationsmöglichkeiten von Social Media Plattformen für die Akquise von neuem Personal zu nutzen.

Was versteht man unter Social Recruiting im Detail? Was sind die Vor- und Nachteile und wie sieht eine effektive Social Recruiting Strategie aus? Diese und viele weitere Fragen werden wir in diesem ausführlichem Ratgeberartikel für Sie beantworten!

Was ist Social Recruiting?

Gutes und loyales Personal zu finden, gestaltet sich in der heutigen Zeit als sehr herausfordernd und zeitintensiv. Print-Anzeigen in Zeitungen, Zeitschriften etc. funktionieren vor allem bei jungen Fachkräften nicht mehr, denn diese lesen schlichtweg keine Zeitung mehr.

Ein weiterer Grund ist, dass wir uns in einem Arbeitnehmermarkt finden. Gute, qualifizierte Mitarbeiter sind bereits in Festanstellung und müssen selten aktiv nach einem Job suchen. Headhunter und Recruiter sind zudem ständig dabei, wechselwillige Talente abzuwerben.

Gleichzeitig verbringt der Großteil der Generation Y oder der Generation Z seine Freizeit auf sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram oder auf Business-Plattformen wie Xing oder LinkedIn. Wir leben im Jahrhundert der Digitalisierung. Von Jahr für Jahr erhöht sich die Anzahl der Nutzer auf den sozialen Netzwerken, allein in den letzten 4 Jahren ist die Nutzerzahl der sozialen Netzwerke in Deutschland um 60% gestiegen. Warum dann nicht dort nach Mitarbeitern suchen, wo sich die meisten potenziellen Mitarbeiter aufhalten?

Social Recruiting

Es liegt also nahe, genau dort seine Recruiting-Maßnahmen zu beginnen.

Wie bereits erwähnt, geht es beim Social Recruiting darum, die Reichweite und die Kommunikationsmöglichkeiten von Social Media Plattformen für die Akquise von neuem Personal zu nutzen.

Dabei setzt man einerseits auf eine professionelle und ansprechende Außendarstellung des Unternehmens (Employer Branding) und andererseits auf die Veröffentlichung von Beiträgen und Werbung auf sozialen Netzwerken, mit deren Hilfe neue Bewerbungen generiert werden sollen (Internet Sourcing). Ein weiterer Aspekt im Social Recruiting stellt das Active Sourcing dar, also die direkte Ansprache von vielversprechenden Kandidaten auf Social Media.

Mithilfe von Social Media Recruiting erreicht man besonders die Kandidaten, die sich in einer Festanstellung befinden & subtil unzufrieden sind, jedoch nicht aktiv nach einem neuem Job suchen. Hier spricht man mittlerweile nicht mehr von einer Minderheit, im Gegenteil.

Eine Studie des Meinungsforschungsinstitut Forsa hat ergeben, dass rund vier von zehn Erwerbstätigen über einen Jobwechsel nachdenken, 37 % sind 2022 offen für einen neuen Job oder haben sogar bereits konkrete Schritte in die Wege geleitet – das sind vier Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

Social Media Recruiting ist mittlerweile sowohl bei den Unternehmen als auch bei den Bewerbern weitestgehend akzeptiert und teilweise wird es von der jüngeren Generation sogar erwartet. Damit man jedoch Erfolge mit Social Recruiting erzielen kann ist eine klare Strategie notwendig!

Dazu später mehr, denn erst wollen wir die Maßnahmen des Social Recruitings näher beleuchten.

In der Regel gibt es 2 Arten, wie man über Social Media neue Mitarbeiter gewinnt.

Einmal durch

  • Direkter Kontaktaufbau mit dem Kandidaten (Active Sourcing)
  • Einblenden von Werbemaßnahmen (Internet Sourcing)

Active Sourcing

Als Active Sourcing, bezeichnet man die Maßnahmen im Recruiting Prozess, durch die man Kontakt zu potenziellen Kandidaten herstellt und diesen versucht zu halten, um ggf. auch zu einem späteren Zeitpunkt bei der Besetzung von offenen Stellen Bezug zu diesen Kandidaten nehmen zu können. Die Kandidaten werden anhand ihres Profils in sozialen Netzen, wie z.B. XING, LinkedIn oder auch Facebook, ausfindig gemacht und kontaktiert. Sobald die Kompetenzen und beruflichen Erfahrungen prinzipiell zum Unternehmen passen, wird versucht einen geschäftlichen Kontakt herzustellen.

Hierbei geht es nicht immer darum aktuell offene Stellen zu besetzen. Es kann auch darum gehen, einen ersten Kontakt zu potenziellen Talenten herzustellen und diesen langfristig zu halten. Die Unternehmen erweitern dadurch ihren eigenen Talentpool und profitieren langfristig davon, indem sie bei Personalbedarf auf die Kandidaten zurückgreifen können

Das Active Sourcing sollte angewendet werden, wenn man Kosten sparen möchte, denn diese Form des Recruiting ist kostenlos. Sie kostet lediglich Zeit. Aus den Profilangaben, Interessen und dem Kommunikationsstil der User können Recruiter abwägen, ob die anvisierte Person in das eigene Unternehmen passen könnte. Damit man als Recruiter nicht die Nadel im Heuhaufen suchen muss, bieten viele soziale Netzwerke auch Suchfunktionen, mit deren Hilfe man leicht nach bestimmten Kriterien wie Ortsangaben und Schlagwörtern filtern kann.

Damit Active Sourcing klappt ist es unabdingbar eine individuelle und persönliche Ansprache zu wählen. Sollten dabei Fehler unterlaufen oder gar Standard-Floskeln bei der Kontaktaufnahme verwendet werden, so ist die Rekrutierung meist schon zum Scheitern verurteilt. Auf solche Nachrichten wird kaum oder gar nicht reagiert und es rückt Ihr Unternehmen in ein schlechtes Licht. Nehmen Sie sich also genügend Zeit für die Recherche und die Ansprache, um möglichst professionell aufzutreten.

Wenn Sie erstmal einen potenziellen Kandidaten für Ihr Unternehmen gewonnen haben, sollten Sie diesen nicht einfach gehen lassen. Auch dann nicht, wenn es momentan vielleicht keinen passenden Job für ihn gibt. Sie können einen Talentpool einrichten, also eine Art Datenbank, in dem sich alle interessierten Kandidaten befinden. Falls ein Bedarf entsteht, kann man auf diesen Talentpool zugreifen.

Internet Sourcing

Im Gegensatz zum Active Sourcing geschieht die Suche mittels Internet Sourcing passiver. Unternehmen nutzen zwar auch hier User-Daten aus Social-Media-Kanälen, die sie z. B. zur Zielgruppenanalyse verwenden, schreiben Bewerber aber nicht gezielt an. Beim Internet Sourcing geht es vielmehr darum, gezielt Werbemaßnahmen in ausgewählte Kanäle einzubinden, um potenzielle Bewerber zu erreichen. Das kann über Plattformen wie Xing geschehen oder über soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram oder auch TikTok geschehen.

Das Internet Sourcing ist eines der größten Stärken im Social Recruiting. Der größte Vorteil liegt dabei in der Relevanz und in der Skalierbarkeit.

Wenn Sie jetzt in den sozialen Medien Werbung schalten möchten, müssen Sie jedoch einige Aspekte beachten.

Sie sollten nämlich nur Ihre Wunsch-Zielgruppe ansprechen und diese soll sich auch von Ihnen angesprochen fühlen. Das funktioniert aber nur mit einer präzisen & individuellen Ansprache in den Werbeanzeigen.

Sie sollten sich folgende Fragen stellen, um Ihre Zielgruppe besser einzuschätzen:

  • Wer ist die Zielgruppe?
  • Was für Charakteristika hat die Zielgruppe?
  • Auf welchen sozialen Kanälen ist meine Zielgruppe aktiv?
  • Welche Bedürfnisse hat die Zielgruppe und womit kann man diese überzeugen?

Wenn Sie Ihre Zielgruppe kennen, können Sie anfangen Werbung zu schalten. Erstellen Sie einen auffälligen, aber dennoch seriösen Beitrag als Bild oder Video-Anzeige, in dem Sie auf die offene Stelle aufmerksam machen. Im Text können Sie noch auf die Bedingungen der Stelle eingehen & Ihre Vorteile als Arbeitgeber kommunizieren.  Wenn Sie möglichst viele Bewerbungen erzielen möchten, bietet es sich an die Kampagne als sogenannte „Lead-Ad“ zu schalten. Das sind Anzeigen, bei denen man sich noch direkt über ein Formular auf Facebook, Instagram, LinkedIn etc. bewerben kann, ohne die Plattform zu verlassen. Hier muss man aber auch mit mehr unqualifizierten Bewerbungen rechnen.

Wenn Sie also vorqualifizieren möchten, empfiehlt es sich eine normale Anzeige zu schalten und auf eine eigene Landingpage zu verlinken, auf der man weitere Informationen erhält und sich dort bewerben kann.

Wichtig! Sorgen Sie dafür, dass man sich problemlos über das Smartphone bewerben kann, denn über 60 % der Social Media Nutzer sind mit dem Smartphone online.

Internet Sourcing ist nur dann effektiv, wenn Sie die Daten auch richtig nachverfolgen und auswerten. Es ist also wichtig, dass Sie sich die Zeit nehmen, um die Effektivität Ihrer Social Recruiting Maßnahmen zu messen. Viele Plattformen wie beispielsweise Facebook erlauben es, viele relevanten Daten der Kampagnen zu erheben. Mit diesen Daten können Sie arbeiten und die Kampagnen dementsprechend feinjustieren und optimieren.

Active Sourcing oder Internet Sourcing? Was ist besser?

Für welche der beiden Arten man sich entscheiden sollte, hängt von der individuellen Situation und der Zielgruppe ab. Besonders in Branchen, wo ein massiver Fachkräftemangel herrscht, ist das Active Sourcing nicht wegzudenken. Stellen im Steuerbereich oder in der IT sind sehr schwer zu besetzen, dass es anders kaum noch geht.

Internet Sourcing ist eine gute Wahl, wenn man die Zielgruppe nicht direkt auf Berufsplattformen wie Xing oder LinkedIn findet. Dies ist beispielsweise bei Handwerkern oder bei Mitarbeitern aus der Pflege der Fall. Hier macht es demnach mehr Sinn über Werbeeinblendungen auf Facebook und Instagram auf sich aufmerksam zu machen.

Social Recruiting

Insgesamt ist es jedoch sinnvoll auf beide Arten zu setzen, um so viele Kandidaten zu erreichen wie möglich. Auch lassen sich beide Arten kombinieren. Beispielsweise kann man geeignete Kandidaten kontaktieren und auf die eigene Webseite bringen. Mithilfe von Retargeting kann man genau diese Personen mit Werbeeinblendungen an die offene Stelle erinnern. So bleibt man stets im Kopf des Kandidaten. Social Media Recruiting at its best 😉

Retargeting ist ein Instrument im Online Marketing. Dabei werden Internet-Nutzer, die eine bestimmte Website besucht oder ein bestimmtes Produkt angeklickt haben, auf ihrem Weg durch das Web mit gezielten Werbeeinblendungen dazu angesprochen.

Vorteile & Nachteile von Social Media Recruiting

Vorteile

Anders, als beim herkömmlichen Recruiting, spielt der soziale Faktor eine deutlich größere Rolle. Dieser Aspekt wirkt sich auch auf die persönliche Bindung zum Bewerber aus, denn dieser bekommt bereits von Beginn an ein Gefühl vermittelt, wie es sich beim neuen Arbeitgeber anfühlen könnte zu arbeiten. Zudem läuft die Kommunikation mit den potenziellen Kandidaten deutlich lockerer ab, da es im Allgemeinen in den sozialen Netzwerken nicht so förmlich abläuft. Social Media hat zudem den Vorteil, dass man mit den Bewerbern direkt in den Dialog treten kann, beispielsweise können offene Fragen von potenziellen Mitarbeitern schnell und unmittelbar beantwortet werden

Weiterhin verbessert man als Arbeitgeber seine eigene Positionierung als attraktive Employer Brand, wenn man Social Recruiting nutzt.  Personen, die regelmäßig deine Inhalte zu sehen bekommen, können ein nachhaltiges Vertrauen zu deiner Marke aufbauen und du bleibst im Gedächtnis des potenziellen Kandidaten. Bedingung hierfür ist natürlich, dass dein Content auch gut ist!

Auch das Active Sourcing stellt einen großen Vorteil im Social Recruiting dar. Hier kann selbstständig auf die Suche nach Talenten zu gehen und potenzielle Kandidaten direkt anzusprechen. Aus den Angaben im Profil, Interessen und dem Kommunikationsstil der Nutzer können Recruiter abwägen, ob die anvisierte Person in das eigene Unternehmen passen könnte.

Der größte Vorteil von Social Media Recruiting ist jedoch die Möglichkeit zur Einblendung von Werbemaßnahmen in den sozialen Netzwerken, dem Internet Sourcing. Damit erreicht man, dass man nicht mehr nur die aktiven Bewerber erreicht, sondern auch die passiven Kandidaten. Passive Kandidaten sind potenzielle Arbeitnehmer, die derzeit in Festanstellung sind und aktiv keinen Job suchen. Klingt erstmal nicht interessant, doch wenn man sich erstmal vor Augen führt, dass viele dieser Kandidaten nach neuen Herausforderungen suchen oder unzufrieden mit ihrem derzeitigen Arbeitgeber sind, sieht das ganze schon anders aus. Social Recruiting setzt genau da an, denn mit Hilfe einer aktiven Social Media Präsenz wird das Interesse dieser Kandidaten geweckt. Man kann somit auf einen viel größeren Kandidatenpool zugreifen als mit herkömmlichen Recruiting-Maßnahmen.

Die Macht des Internet Sourcing wird deutlich, wenn man weiß, wie Werbung auf Social Media funktioniert. Im Hintergrund lassen sich nämlich detaillierte Zielgruppen erstellen, die die Werbeanzeige zu Gesicht bekommen sollen. Man kann also in den sozialen Netzwerken beispielsweise einstellen, welches Alter, welchen Wohnort, welche Interessen oder welchen derzeitigen Beruf die Person aus der Zielgruppe haben soll. So bekommen nur die passenden Kandidaten die Recruiting-Werbung zu sehen und es gibt keinen Streuverlust wie bei anderen Recruiting Maßnahmen.

Zudem lässt sich sehr genau messen, wie viele Personen man mit der Anzeige erreicht, wie viele sich bewerben und was das ganze gekostet hat. So hat man also direkt einen Übersicht zum Return-on-Investment und zu allen anderen Recruiting KPIs. Auch lässt sich diese Form des Recruitings skalieren. Falls man einen Personalmangel hat und mal mehr Personal benötigt, kann man das Werbebudget für die Social Recruiting Kampagnen einfach aufdrehen und mit mehr Bewerbungen rechnen

Nachteile

Social Recruiting hat, wie man sieht, viele Vorteile zu bieten. Gleichzeitig gibt es jedoch ein paar Nachteile, die man nicht verschweigen sollte.

Einerseits kann es durch die große Reichweite von digitalen Stellenanzeigen zu einer großen Menge an Bewerbungen kommen, von denen sehr viele ungeeignet bzw. unzureichend qualifiziert sind. Dies liegt an den geringen Hürden, die beim Social Recruiting bzw. genauer gesagt beim Internet Sourcing gegeben sind. Eine gute Vorqualifizierung ist also Pflicht, ansonsten kosten die vielen unnötigen Bewerbungen nur Zeit.

Auch ist die Technik nie fehlerfrei. Ab und an kann es durchaus vorkommen, dass mal eine Bewerbung nicht ankommt und man somit einen mögliche qualifizierten Kandidaten verpasst.

Zusätzlich ist das Thema Datenschutz nicht unwichtig, denn Datenschutz in sozialen Netzwerken ist ein komplexer Bereich. Weiterhin muss die eigenen Webseite den DSGVO-Richtlinien entsprechen, wenn darüber Bewerbungen eingereicht werden können.

Herausforderungen

Wie bei jeder Recruiting-Maßnahme gibt es auch beim Social Media Recruiting einige Herausforderungen, die mal als Unternehmen erstmal bewältigen muss. Wir haben einige der größten Herausforderungen für Sie zusammengefasst.

  • Da auf jeder Plattform unterschiedliche Zielgruppen vertreten sind, muss man die richtige Plattform für sich finden. Es gibt Zielgruppen, die sozialen Medien gar nicht nutzen oder einer Kontaktaufnahme kritisch gegenüberstehen.
  • Die Nutzer auf Social Media sind in der Regel darauf, um sich privat auszutauschen. Wenn man diese nun ansprechen möchte, muss das in einer passenden Art und Weise geschehen. Seien Sie also kreativ, schnell und vor allem individuell.
  • Man braucht ein gewisses technisches Know-How, um die neuesten Technologien nutzen zu können. Der Technologiefortschritt verläuft immer schneller und das bedeutet, dass man sich ständig up-to-date halten muss.
  • Die Bewerbungsprozesse müssen an die sozialen Netzwerke angepasst werden. Komplexe Prozesse mit Lebenslauf und Anschreiben funktioniert auf Social Media nicht.
  • Sie müssen am besten alle Mitarbeiter in die Aktivitäten miteinbeziehen, um auf Social Media erfolgreich zu sein. Das bedeutet, dass Sie die Zusammenarbeit gut koordinieren müssen.

Social Recruiting Strategie

Jetzt wissen Sie was Social Recruiting ist und welche Vor- und Nachteile diese Personalgewinnungsmethode hat. Wie sollte man nun als Arbeitgeber vorgehen, wenn man neue Mitarbeiter über die sozialen Medien gewinnen & von Anfang an alles richtig machen möchte?

Personalgewinnung über die sozialen Netzwerke verlangt von den HR-Abteilungen eines Unternehmen eine neue Herangehensweise für das Thema Recruiting.

Employer Branding

Damit man als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen werden kann, muss man sich mit dem Thema Employer Branding beschäftigten. Employer Branding beschreibt wie eine Arbeitgebermarke von außen wahrgenommen wird. Früher musste man sich um sowas nur wenig Gedanken machen, denn die Bewerber kamen von alleine. Heute sieht es anders, denn wir leben mittlerweile in einem Arbeitnehmermarkt.

Wie kann man also das Employer Branding verbessern?

Das fängt beispielsweise bei der eigenen Internetseite an. Die Webseite muss modern aussehen, responsiv sein (also für Handy & Tablet optimiert sein) und übersichtlich wirken. Das Karriereportal muss technisch perfekt laufen und man muss seine USPs (Alleinstellungsmerkmale) und seine Benefits als Arbeitgeber klar herausstreichen und kommunizieren.

Auch muss man als Arbeitgeber wissen, wo die eigenen Stärken & Schwächen liegen, welche Werte man vertritt (Beispielsweise zum Thema Nachhaltigkeit) und welche Vorzüge es gibt im jeweiligen Unternehmen zu arbeiten und nicht bei der Konkurrenz. Viele Unternehmen haben keinerlei Alleinstellungsmerkmale und können zudem nicht kommunizieren, wieso sich eine qualifizierte Fachkraft bei Ihnen bewerben sollte. Sie sehen also, das Thema Employer Branding ist wichtiger, als man im Vorfeld annehmen könnte.

Stellen Sie sich einfach mal folgende Fragen:

  • Was zeichnet meinen Betrieb aus?
  • Was machen wir anders als andere Unternehmen?
  • Mit welchen Vorteilen können Mitarbeiter bei uns rechnen? Was springt für diese heraus?

Mehr zum Thema Employer Branding finden Sie in unserem Beitrag Employer Branding Prozess

Ein guter Auftritt auf Social Media

Weiterhin sollte der Social Media Auftritt gepflegt sein und sympatisch wirken. Dabei sollte man vor allem nicht vergessen, sich Gedanken um die Zielgruppe zu machen. Wo hält sich diese üblicherweise auf? Es bringt nichts jeden Tag etwas auf Xing zu posten, wenn die potenziellen Mitarbeiter eher auf Facebook zu finden sind. Vor allem digital natives verbringen eher Zeit auf Facebook, Instagram oder auch neuerdings auf TikTok. Instagram Recruiting & Tik Tok Recruiting sind also fester Bestandteil jeder guten Recruiting-Strategie im Jahr 2022.

Was lässt sich als Unternehmen nun konkret tun, um attraktiv auf Social Media zu wirken?

  • Geben Sie Einblicke hinter die Kulissen! Wie sieht ein Arbeitsalltag bei Ihnen aus? Nehmen Sie einfach mal ein Video dazu auf, dass muss nichtmal professionell sein. Hauptsache ist, dass potenzielle Kandidaten einen authentischen Einblick in den Arbeitsalltag bekommen können.
  • Mitarbeiter zu Wort kommen lassen. Fotos, Videos oder ganze Blogbeiträge von Mitarbeitern sind eine ideale Maßnahme, um Einblicke aus dem Arbeitsalltag und der Atmosphäre im Team zu bekommen. Authentischer als die eigenen Mitarbeiter kann das niemand vermitteln!
  • Wenn Ihre Zielgruppe auf Social Media mit Ihne interagiert – also beispielsweise Beiträge kommentiert, Lob, Kritik und Fragen ausspricht – dann kommunizieren Sie öffentlich mit Ihnen. Social Media Recruiting lebt durch Interaktion.

Zudem ist es wichtig aktuell zu sein, denn nichts ist abschreckender als ein Social Media Account dessen letzter Beitrag schon 2 Jahre her ist. Das heißt jedoch nicht, dass Sie jetzt jeden Tag 4-mal was posten müssen. Fangen Sie klein an. Nehmen Sie sich vor 2-mal in der Woche etwas zu posten. Am besten immer an den gleichen Tagen und Uhrzeiten, um so einen Rhythmus und eine Gewohnheit zu entwickeln.

Beispiele für gute Beiträge auf Social Media

Es gibt bereits einige Unternehmen, die verstanden haben wie Social Recruiting abläuft und die viele gute & effektive Inhalte auf den sozialen Medien veröffentlichen.

Deutsche Bahn

Die Deutsche Bahn hat verstanden, wie gutes Social Media Recruiting funktioniert. Sie haben beispielsweise eine eigene Karriere-Facebook-Seite eröffnet, auf dem Sie ihre Beiträge veröffentlichen.

Auf dieser Seite werden ausschließlich Karriere-Themen gepostet, wie beispielsweise Bewerbungstipps, Events für potenzielle Kandidaten oder Stellenangebote. Weiterhin interagiert die Seite schnell mit den Followern und reagiert umgehend auf Fragen, Kritik oder Lob. Die Seite hat mittlerweile über 200.000 Fans auf Facebook. Ein beeindruckendes Ergebnis.

Deutsche Bahn Karriere

Quelle: https://www.facebook.com/DBKarriere

Deutsche Bank

Auch die Deutsche Bank setzt auf Personalakquise auf Social Media und macht bereits einiges richtig. Beispielsweise bietet das Unternehmen derzeit ein ein duales Ausbildungsprogramm an, bei dem die Kandidaten eine Ausbildung bei der Bank mit einem Bachelorstudium kombinieren können. Auf der eigenen Karriereseite hat das Unternehmen einen Newsfeed implementiert, unter dem alle Beiträge zusammengefasst sind, die sich um den Arbeitsalltag der dualen Studenten dreht. In den Posts berichten die Studenten, wie der Start bei der Deutschen Bank war, wie das Jahr verlaufen ist oder wie es nach dem Studium weitergeht. Man erhält also tiefe Einblicke in den Alltag der Mitarbeiter und als junger Kandidat baut man somit ein viel tieferes Vertrauen zu der Marke auf.

NewsFeed Deutsche Bank.

Quelle: https://careers.db.com/ausbildung-studium

 

Internet Sourcing – Beispiel

Das Internet Sourcing ist eine der stärksten Waffen beim Social Recruiting, also nutzen Sie diesen Vorteil auch. Schalten Sie effektive Jobanzeigen auf Social Media. Erstellen Sie einen auffälligen, aber dennoch seriösen Beitrag als Bild oder Video-Anzeige, in dem Sie auf die offene Stelle aufmerksam machen.

Im Text kann man noch näher auf die Stelle eingehen und die eigenen USPs als Arbeitgeber kommunizieren. Wenn Sie möglichst viele Bewerbungen erzielen möchten, bietet es sich an die Kampagne als sogenannte „Lead-Ad“ zu schalten. Das sind Anzeigen, bei denen man sich noch direkt über ein Formular auf Facebook, Instagram, LinkedIn etc. bewerben kann, ohne die Plattform zu verlassen. Hier muss man aber auch mit mehr unqualifizierten Bewerbungen rechnen.

Wie kann eine gute Werbeanzeige aussehen?

Leantree GmbH

In der Werbeanzeige sieht man direkt auf dem ersten Blick, um welche Stelle es geht und wo sich die Firma befindet. Zudem wirkt die Person auf dem Bild sympathisch und zieht Aufmerksamkeit auf sich. Gesichter werden seit über 100 Jahren erfolgreich in der Werbung eingesetzt und ihre Wirksamkeit in vielen erfolgreichen Werbekampagnen bewiesen. Denn es ist so, dass Gesichter vom Gehirn speziell verarbeitet werden, was dazu führt, dass Gesichter einen überproportionalen Anteil der Aufmerksamkeit erhalten.

Wie viel Budget muss ich investieren?

Dies hängt vor allem von der Konkurrenz und Ihrem Firmensitz ab. Je mehr Konkurrenz es gibt, desto teurer ist es Werbung zu schalten. In der Regel kann man jedoch mit einem Budget von 500 € pro Kampagne  und pro Kanal rechnen. Mit diesem Budget sollten die ersten qualifizierten Bewerbungen bereits eintreffen. Mehr zu den Kosten für Social Recruiting finden Sie im letzten Abschnitt des Artikels.

Welche Stolperfallen gibt es?

Social Media lebt von Unterhaltung und Spannung. Stellenausschreibungen müssen spannend und aufregend gestaltet werden. Mit langweiligen Stellenausschreibungen fällt man nicht auf und geht unter. Die ersten Sekunden sind wichtig, also gewinnen Sie die Aufmerksamkeit des Kandidaten.

Auch sollte man sich beim Social Recruiting nicht nur auf einen Kanal versteifen. Potenzielle Bewerber sind nicht zwingend auf nur auf einem Kanal unterwegs. Je nach Alter, Interessen und demografischen Merkmalen nutzen Ihre potenziellen Wunschkandidaten vielleicht mehrere Portale – oder auch ganz andere, als Sie vermuten.

Zudem sollten Sie die Hürden so gering wie möglich halten. Lebenslauf und Anschreiben kann man immer noch später nachreichen. Wenn Kandidaten Smartphone sind, haben diese selten einen Lebenslauf parat.

Falls Sie jedoch merken, dass sich zu viele unqualifizierte Bewerber melden, sollten Sie die Hürden etwas anheben und einige Qualifikationsfragen stellen, bevor man eine Bewerbung einreichen kann.

Wichtige Anmerkung, Daten auswerten!

Damit Ihre Werbeanzeigen so effektiv wie möglich sein können, müssen Sie Ihre Daten richtig sammeln und auswerten. Viele Plattformen wie beispielsweise Facebook erlauben es, viele relevanten Daten der Kampagnen zu erheben. Mit diesen Daten können Sie arbeiten und die Kampagnen dementsprechend feinjustieren und optimieren.

Active Sourcing – Beispiel

Kanäle bestimmen

Überlegen Sie sich genau, wo sich der ideale Mitarbeiter am wahrscheinlichsten befindet. Die Mitglieder bei XING und LinkedIn sind meistens in mittleren bis hohen Gehaltsklassen zu finden. Im Internet können Sie auch Talente finden, die nicht in den klassischen Netzwerken eingetragen sind.

Kandidat auswählen

Suchen Sie nach Personen, die Ihrem Anforderungsprofil entsprechen. Qualität vor Quantität. Stimmen die Qualifikationen schon nicht, sehen Sie besser von einem Kontakt ab. Erstellen Sie eine kurze Liste von höchstens zehn Talenten.

Erstkontakt

Erstellen Sie E-Mail-Vorlagen, die Sie dann für die Stelle und die Person zuschneiden können. Die E-Mail sollte persönlich klingen und nicht wie von einem Roboter. Der erste Kontakt ist meistens entscheidend dafür, ob es eine Antwort gibt oder nicht. Hat der Kontakt keine E-Mail-Adresse, benutzen Sie den Messenger-Dienst

Zweitkontakt/Follow-Up

Sollten Sie nach drei bis vier Tagen nichts gehört haben, können Sie nochmals nachfragen. Verwenden Sie dabei unbedingt einen neuen Text, der auf die Nachfrage Bezug nimmt. Sie können auch den Call to Action ändern, wenn dieser vielleicht zu aufdringlich wirkte.

Beispiele So sprechen Sie Kandidaten an

Wenn Sie einen guten Kandidaten gefunden haben, sollten Sie noch einige Informationen sammeln und sich einen Plan zurechtlegen. Nehmen wir an Sie suchen einen neuen Verkaufsleiter in einer Großstadt. Sie haben bei LinkedIn drei Personen gefunden, die Sie gerne ansprechen wollen.

So könnte eine Nachricht aussehen

Wir sind bei LinkedIn auf Sie aufmerksam geworden und haben mit Interesse Ihren Lebenslauf gelesen. Ihre Position bei XX entspricht dem, was wir gerade suchen.

Ich habe Ihren Beitrag bei XX gesehen und finde es interessant, wie Sie den Sachverhalt beschreiben. Wir suchen gerade jemanden mit frischen Ideen wie Ihren.

Ein gemeinsamer Bekannter hat mir Ihr Profil bei Linkedin geschickt, Herr XY. Ich hatte ihm erzählt, dass wir einen neuen Verkaufsleiterin suchen.

Mein Name ist XY, ich bin Recruiter bei XX. Wir sind einer der Marktführer in der Herstellung von Kinder-Sonnenbrillen und suchen einen neuen Verkaufsleiter in Hamburg. Da Sie dort bereits im Verkauf tätig waren und eine ähnliche Rolle eingenommen haben, glauben wir, dass Sie zu uns passen würden. Wir haben ein großartiges Team, dessen Leitung Sie übernehmen würden. Wann dürfte ich Sie anrufen, um weitere Details zu besprechen?

Wichtige Anmerkung:

Stellen Sie sicher, dass sich unter Ihrem Namen alle wichtigen Kontaktkanäle befinden, sowie direkte Links zu Ihrer Karriereseite und der Stellenanzeige.

Wie hoch sind die Kosten für Social Recruiting?

Zwar könnte man meinen, dass Active Sourcing und das Posten von Beiträgen auf Social Media an sich kostenfrei sei, denn sie kosten lediglich Arbeitszeit oder es entstehen Kosten für ein Beauftragung eines Recruiters, doch Social Recruiting macht man nicht eben so nebenbei. Social Media-Recruiting braucht Zeit. Zeit für die Planung, die Contenerstellung, Umsetzung und auch für die Kommunikation. Auch Tools, Beratung und Grafiken oder Fotos (Ob gekauft oder selbst geschossen) müssen bezahlt werden. Diese Punkte werden leider häufig vergessen.

Vor allem bei der Schaltung von gesponserten Werbeanzeigen muss jedoch mit unterschiedlich hohen Kosten gerechnet werden. Hierdurch lassen sich die größten Reichweiten erwirken und die besten Bewerber gezielt ansprechen. Es entsteht also eine breite Range bei den Kosten für Social Recruiting, abhängig von der Zielgruppe, von der Nische und vom jeweiligen Kanal. Es empfiehlt sich für die meisten Unternehmen, dass man mehrere Kanäle miteinander kombiniert, um den größtmöglichen Erfolg zu erzielen.

Einerseits bekommen dadurch mehr Kandidaten etwas von der Jobanzeige mit und andererseits werden die selben Kandidaten über mehrere Kanäle durch das Internet verfolgt. Die Anzeige bleibt im Kopf und eine Bewerbung wird wahrscheinlicher.

Damit Sie dennoch eine grobe Vorstellung von den Kosten machen können, haben wir diese mal exemplarisch für Sie aufgeführt.

  • Facebook ab 750€
    für eine Kampagne über 30 Tage
  • Instagram ab 750€
    für eine Kampagne über 30 Tage
  • Google Display ab 500€
    für eine Kampagne über 30 Tage
  • Google Suchnetzwerk ab 500€
    für eine Kampagne über 30 Tage
  • YouTube ab 500€
    für eine Kampagne über 30 Tage
  • LinkedIn ab 500€
    für eine Kampagne über 30 Tage
  • Xing ab 500€
    für eine Kampagne über 30 Tage

Wenn man also die perfekten Kandidaten finden möchte, ist es langfristig unabdingbar auf Werbeanzeigen zu setzen. Um die Anzeigen erfolgreich zu schalten, muss man jedoch ein gewisses Budget mitbringen. Das Budget sollte idealerweise bei 2000 € pro 30-tägige-Kampagne beginnen, um schnell und nachhaltig Daten zu erheben und Erfolge zu generieren.

Fazit

Nun wissen Sie alles, was man zum Thema Social Recruiting wissen sollte. Beherzigen Sie die Tipps & Tricks aus diesem Beitrag und Sie werden schnell Erfolge bei Ihren Recruiting-Maßnahmen erzielen. Fangen Sie lieber jetzt sofort damit an, denn immer mehr Unternehmen setzen bereits auf Social Recruiting. Allerhöchste Zeit also auf den Zug draufzuspringen, bevor dieser abgefahren ist.

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Janik Deimann

Janik Deimann ist Geschäftsführer der Social Recruiting Agentur Leantree aus Hamburg. Die Leantree GmbH hilft Unternehmen aus verschiedenen Branchen dabei qualifizierte Mitarbeiter mittels Social Recruiting zu gewinnen. Mit einer eigenen KI-gestützten Recruiting Methode deckt das Unternehmen über 65% der Gesamtbevölkerung in DACH ab.